Zum Inhalt springen
Patrick programmiert am Bildschirm mit geöffnetem Code-Editor

Live gehen, ohne die Sichtbarkeit zu verlieren

· aktualisiert | Patrick Barca | 4 Min. Lesezeit

Der Moment, in dem die neue Website online geht, fühlt sich nach Ziel an. Für die Sichtbarkeit ist es der gefährlichste Tag des ganzen Projekts.

Warum der Go-Live der gefährlichste Tag ist

Monate Arbeit münden in einen Klick. Bessere Inhalte, neues Design, klare Struktur – und dann geht die Seite online. In der Praxis verlieren viele Unternehmen genau in diesem Moment ihre Sichtbarkeit bei Google. Oft unbemerkt, und erst Wochen später fällt auf, dass die Anfragen ausbleiben.

Der Grund ist selten das Design. Beim Relaunch ändern sich Seitentitel, Adressen, Struktur und Informationsarchitektur. Alte Links zeigen ins Leere: Suchmaschinen finden Seiten nicht mehr, die sie jahrelang bewertet haben, externe Verweise laufen auf eine Fehlerseite, und Besucherinnen landen im Nichts. Was aufgebaut wurde, ist nicht weg, weil es schlecht war – sondern weil niemand gesagt hat, wo es jetzt steht.

Die drei Dinge, die Sichtbarkeit kosten

Sie klingen technisch und sind es auch. Entschieden werden sie aber nicht in der Programmierung, sondern lange vorher – im Konzept.

  • Fehlende Weiterleitungen. Jede alte Adresse braucht ein neues Ziel. Ohne diese Zuordnung geht die aufgebaute Linkkraft verloren – endgültig. Betroffen ist alles, was Vertrauen aufgebaut hat: Erwähnungen in Medien, Verweise von Partnern, Einträge in Branchenverzeichnissen.

  • Eine unklare Domain. Mit und ohne www sind technisch zwei verschiedene Adressen. Ohne klare Weiterleitung bewertet Google sie als zwei Websites mit identischem Inhalt: doppelter Inhalt, geteilte Linkkraft, unklare Indexierung. Das ist kein Rankingproblem, das ist Identitätsverlust.

  • Keine Kontrolle nach dem Start. Suchmaschinen brauchen Tage bis Wochen, um eine neue Seite zu erfassen. Wer in dieser Zeit nicht in die Search Console schaut, merkt Fehler erst, wenn der Traffic schon weg ist. Genau dafür braucht es einen Blick zwei Wochen nach dem Start.

Das Go-Live-Einmaleins

Am Tag selbst laufen mehrere Dinge gleichzeitig – und ein paar davon sehen kurzzeitig nach Fehler aus, obwohl alles richtig läuft. Das sind die Begriffe, die dann fallen.

Die Domain wird auf den neuen Webserver umgeleitet. Diese Änderung verbreitet sich weltweit, aber nicht überall gleichzeitig. Deshalb sehen einzelne Besucherinnen für kurze Zeit noch die alte Seite oder eine Fehlermeldung – das ist normal und geht von selbst vorbei.

Das Sicherheitszertifikat wird auf dem neuen Server neu ausgestellt. Bis es aktiv ist, kann die Seite für wenige Minuten als «nicht sicher» erscheinen. Danach läuft die Weiterleitung von http auf https wieder wie gewohnt.

Suchmaschinen brauchen einige Tage bis Wochen, bis sie die neue Seite vollständig erfasst haben. In dieser Zeit schwanken die Positionen – das ist erwartbar. Was nicht erwartbar ist: dass Seiten ganz verschwinden. Genau das zeigt die Search Console.

Beides gehört nach dem Start nochmals geprüft, besonders wenn Analyse-Werkzeuge im Einsatz sind. Sonst misst ihr wochenlang nichts – und könnt hinterher nicht belegen, was der Relaunch gebracht hat.

Irgendeine Adresse wird immer ins Leere laufen. Deshalb gehört die Fehlerseite gestaltet und führt weiter, statt sich zu entschuldigen. Wir gestalten sie im Kontext des Projekts – das ist unsere Micro-Content-Extraliebe.

Warum Redirects strategisch sind

Eine Weiterleitung sagt der Suchmaschine: Dieser Inhalt existiert weiterhin, nur unter einer anderen Adresse. Damit fliesst die hart erarbeitete Sichtbarkeit auf die neue Seite über. Fehlt sie, ist die Linkkraft verloren – und mit ihr die Jahre, in denen andere auf euch verwiesen haben.

Deshalb entsteht die Zuordnung nicht am Go-Live-Tag, sondern im Konzept. Wir denken vor dem ersten Pixel an Adressstruktur, Weiterleitungen, Domainführung, Indexierung und die Zuordnung der Inhalte. Wo es keine Entsprechung gibt, leiten wir auf die nächsthöhere passende Seite – nie pauschal auf die Startseite. Das wertet Google als Verlegenheitslösung und hilft niemandem weiter.

Was du intern zusagen kannst

Die Frage, die nach einem Relaunch kommt, lautet nie «sieht gut aus?», sondern «finden uns die Leute noch?». Darauf gibt es eine belastbare Antwort, wenn drei Dinge vorher geregelt sind: eine vollständige Liste der alten Adressen mit ihren neuen Zielen, eine eindeutige Domain – und ein Blick in die Search Console zwei Wochen nach dem Start. Dann ist der Go-Live kein magischer Schalter, sondern ein geplanter Umzug mit ein paar kurzen Übergangsphasen.

Warum die Website danach die Grundlage für alles Weitere ist, steht in Warum unsere Websites mehr Mäuse bringen.

Steht bei euch ein Relaunch an?

Sag uns, wie viele Seiten eure heutige Website hat – wir sagen dir, was die Zuordnung der Adressen bedeutet.

565a7058.jpg
Geschrieben von Patrick Barca Digital-Mitreisser und Wunderentwickler Fragen zum Artikel? Schreib mir

Weitere Insights

Alle anzeigen